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"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen Beitrag #1
Jerenn
Neuer Benutzer
Registriert seit: 11.10.2009
Beiträge: 4
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen
Hallo Leute,
nachdem ich vor ca. 9 Monaten in diesem Forum Rat gesucht habe, kehre ich nun wieder zurück - ebenfalls mit ein paar Fragen
Kurz zu mir: Ich bin was das segeltechnische angeht auf einem Plattbodenschiff groß geworden, habe dann viel Jolle gesegelt und bin abschließend bei Yachten gelandet. Aus diesem Grund habe ich vom Segeln an und für sich viel Ahnung, aber von "Yachttechnik" wenig. Ich besitze einen SBF-See und hab den Theorieteil vom SKS bestanden.
Vor einer Woche bin ich von einem Törn in Kroatien wiedergekehrt, für den mich viele für verrückt erklärt haben: Eine Woche segeln auf einer Bavaria 49 in einem unbekannten Revier mit einer 9 Leuten von denen alle wenig bis größtenteils keine Segelerfahrung besitzen. Den durchaus sehr negativen Wind aus diesem Forum kann ich nicht bestätigen. Ich habe die Yacht meinen und dem der Crew (wohl gemerkt mein engster Freundeskreis mit Anhängen) entsprechenden Kenntnissstand angepasst und wir hatten eine absolut tolle Segelwoche. Rückblickend war es dennoch hilfreich, wie hier geratern, den SKS anzugehen bzw. Praxierfahrung aufzubauen. Letztere war allerdings nur ein zusätzliches Wochenende und auch für die SKS-Praxis war keine Zeit mehr...Dennoch hat es mir geholfen.
Aus dem Törn sind für mich allerdings Fragen hervorgegangen, die ihr mit Sicherheit beantworten könnt. Für mich ist diese Evaluation in Hinblick auf weitere Törns wichtig und ich hoffe, dass ihr mir helfen könnt. Die Fragen betreffen primär die Technik und die Navigation an Bord.
1.) Bugstrahlruder:
Situation: Meine Wenigkeit soll in einem verdammt engen Hafen in einer engen Box (eigenlich war es keine Box, eine Seite Steg, anderen Seite Motoryacht) rückwärts unter Motor anlegen und das Ganze bei exakt seitlichem Wind der Stärke 4 (aus Sicht der Box). Ich mit der Yacht weit an der "Box" vorbei (also in den Wind mitm Bug), Rückwärtsgang rein, langsam zurück, eingelenkt, Heck kommt super, Bug driftet ab, ich korrigiere mit dem Bugstrahlruder. Bis dahin alles super. Dann auf einmal will ich wieder korrigieren und schwupps geht das Bugstrahlruder aus und lässt sich nicht mehr ankriegen. Bug driftet weg, Anlegemanöver verkackt (wegen der Scheiß Box konnten wir am Bug keine Luvleine irgendwo festmachen...). Nach 10 Minuten rumgeeiere im Hafen bin ich daraufhin vorwärts rein.
Am Ende habe ich einen Typen der Charterbasis angesprochen und er brabbelte in einem furchtbaren Englisch irgendwas davon, dass das Bugstrahlruder an irgendeine Batterie gekoppelt ist, die dann nach "viel" Benutzung kurzzeitig leer ist... Und er meinte das Bugstrahlruder dieser Yacht wäre sehr schwach im Vergleich zu anderen Yachten.
Meine Fragen:
Könnt ihr das bestätigen? Wie läuft das generell mit diesem Bugstrahlrudern? Kann man die nicht unbegrenzt nutzen? Wie wärt ihr son Anlegemöver ohne Bugstrahlruder gefahren? Was hab ich falsch gemacht?
2.) Warum weichen der analoge und der digitale Kompass an Bord um ca. 30 Grad voneinander ab?
3.) Wir haben zwei Mal geankert und ich habe mich beide Male irgendwie nicht so sicher gefühlt. Hab alles gründlich abgefahren, Ankermanöver gefahren, alles super. Aber irgendwie ruhig schlafen konnte ich nicht. Hatten nachts nahezu nie Wind, wenn dann so ab 4h morgens. Hab dann noch überlegt nen Heckanker zu schmeissen, aber dann dacht ich, wenn der Wind dreht, drehe ich mich nicht mit meinen benachbarten Yacht zusammen, sodass wir kollidieren. Dann war ich mir mit dem Schwojenradius nicht sicher. Wenn viel Wind ist, müsste sich die Kette doch spannen und den Radius wird größer, oder? Hilft da nen Reitgewicht? Oder is das bei ner Bavaria 49 die eh nur Kette Kokolores?
Stellt ihr euren Ankeralarm am Plotter ein? Wenn ja, was is ne sinnvolle Distanz?
4.) Wozu hängt ne Dirk am Baum? Ohne Segel bleibt der Baum wegen dem Kicker eh oben und aufm Vorwindkurz wollt ich damit mal das Segel bauchiger stellen, aber da kam nur Käse bei raus... Das Segel hängt dann noch mehr in der Saling (beim Vorwindkurs).
5.) Gibt es irgendeinen Trick, sodass man beim Wenden der Genua bei viel Wind, diese nicht unendlich lange mit der Winschkurbel reinholen muss? Meistens hatten wir, egal was wir probiert haben, noch nen Meter zu kurbeln (was ewig dauert). Das war insbesondere beim Kreuzen mit kurzen Schlägen nervig. Kaum war das Segel dicht, kam die nächste Wende.
6.) Bin das erste Mal mit nem Rollgroß gesegelt und habe es immer im Wind hochgenommen (hatte ich so gelesen). Was ist der Hintergrund dafür? Vertüdelt es sich sonst im Mast?
7.) Wo is nen Ssinnvoller Platz für nen Beiboot? Hatten es aufm Vorschiff und da hat es sich häufig mit der Genuaschot vertüdelt. Irgendwie wollte ich es nicht hinter uns herziehen, hatte Angst das es dann bei Manövern nervt.
So, viele Fragen sind es geworden. Ich hoffe, ich kann von eurem Erfahrungsschatz profitieren.
Vielen Dank im Voraus,
Gruß Jerenn
23.07.2011, 13:56
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen Beitrag #2
schwinge
Neuer Benutzer
Registriert seit: 18.07.2011
Beiträge: 10
Hi,
Ferndiagnosen sind immer schwierig - wie groß ist das Hafenbecken, ragten die Nachbarlieger mit dem Bug über die Box raus, hätte der Platz gereicht um mit dem Heck gegen den Wind zu schippern bis die erste Leine rüber kann......
Zum Bugstrahlruder - die Dinger sind Stromfresser, das schafft ne normale Lichtmaschine nicht. Bei kleinem oder schwachem Akku kanns schon sein, dass die schlapp machen.
Zum Kompass: - blätter mal im SKS-Buch nach - dort findest Du was zur Ablenkung. Der digitale K war wohl kompensiert (das kann ma selber - Köpchen oder ähnliches betätigen und meist ne acht fahren, steht im Handbuch). Der analoge K wars halt nicht - oder es lag ein Handy, Schlüsselbund etc. daneben.
Ankern - anker nie so dicht, dass der Radius Deines Schwojkreises den möglichen S-Kreis einer anderen Yacht schneidet, nicht alle Schiffe verhalten sich bei Wind- oder Strömungswechsel gleich. Mit einem 2.Anker kann der Schwojkreis wirkungsvoll verkleinert werden (müßte auch in Deinem Buch stehen).
Wenn Du mit ausreichend dimensionierter Kette ankerst brauchst Du normalerweise kein Reitgewicht - die Länge der gesteckten Kette machts.
Dirk nötig bei Kicker? - hab noch nie nen Boot mit Kicker gefahren (bevorzuge auch Plattboden)
Genua - kenn jetzt Deinen Dampfer nicht und hab auch keine Ahnung wie weit die Genua überlappt. Als reiner gemütlicher von A nach B Segler würde ich auf kurzen schlägen ne normale Fock bevorzugen. Vermutllich habt Ihr auf dem Plattboden dafür auch nicht die Botterfock gesetzt.
Großsegel - auch das habt Ihr auf dem Plattboden doch in der Regel mit der Nase im Wind hochgenommen, warum solls auf ner Yacht anders sein. Der Lappen geht hallt leichter hoch (weniger Reibung), keine Krängung, der Dampfer nimmt keine Fahrt auf, das Segel versperrt keine Sicht - zum Rollsegel speziell werden wohl noch andere schreiben.
Beiboot - wie schon geschrieben kenn Deinen Dampfer nicht.
Gruß, Rainer
23.07.2011, 15:50
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen Beitrag #3
Jerenn
Neuer Benutzer
Registriert seit: 11.10.2009
Beiträge: 4
Hallo Rainer,
vielen Dank schon mal für deine Tipps, dass hilft mir sehr!
Lg Jerenn
23.07.2011, 19:25
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen Beitrag #4
schwinge
Neuer Benutzer
Registriert seit: 18.07.2011
Beiträge: 10
Ach ja fast vergessenn - zum rückwärts in die Box. Du kannst auch den Anker zum stabilisieren des Bugs nutzen.
bis denne, Rainer
23.07.2011, 23:41
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen Beitrag #5
Jerenn
Neuer Benutzer
Registriert seit: 11.10.2009
Beiträge: 4
Wie dass denn? Etwas rausholen und mitschleifen? Kann mir gerade nicht vorstellen auf welche Weise er helfen könnte.
24.07.2011, 03:02
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen Beitrag #6
schwinge
Neuer Benutzer
Registriert seit: 18.07.2011
Beiträge: 10
Hi Jerren,
beides ist je nach Gegebenheiten möglich - slippen lassen, oder einfahren und Kette stecken. Vielleicht solltest Du beim nächsten Törn weniger Meilen machen und dafür einfach viel ausprobieren - Vorzugsweise mit ner Stahlschüssel, da kannst Du mit der Kette weniger Schaden anrichten .
Oder lass Dir Manöver mal auf Deinem SKS zeigen/üben.
Guts Nächtle, Rainer
08.08.2011, 17:49
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen Beitrag #7
mike451
Neuer Benutzer
Registriert seit: 18.04.2011
Beiträge: 2
Irgendwie verwirren mich Deine Fragen komplett. Du schreibst, Du bist auf einem Plattbodenboot gross ( segeltechnisch ) geworden, hast den SFB See und SKS, wenn auch nur Theorie ??? Dann verstehe ich all Deine Fragen nicht, denn das ist Stoff der See, bzw. SKS Ausbildung ??? Was hat Dir denn der jeweilige Ausbilder beigebracht ?
15.09.2011, 12:14
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen Beitrag #8
ostsee
Neuer Benutzer
Registriert seit: 15.01.2008
Beiträge: 5
"Richtiger" Skippereinstand in Kroatien - Bericht und offene Fragen
Lieber Jerenn,
grundsätzlich finde ich es vernünftig, sich mit solchen Fragen (auch) an ein Forum zu wenden. Ob es da für Dich brauchbare Antworten gibt ist fraglich. Scheinbar hast Du sie ja vor 9 Monaten auch nicht bekommen. Ich möchte (übrigens zum ersten Mal) zu so einer Frage (eigentlich ein Hilferuf) auch Stellung nehmen, aber auch klar stellen, dass ich mir der Problematik (von kompetenten Antworten) bewusst bin und vielleicht auch nicht ganz die absolute Wahrheit gepachtet habe.
Aber: aus Deinen Fragen spricht pure Hilflosigkeit und eine Art von Ahnungslosigkeit die irgendwie rührend wirkt (siehe dazu auch den Kommentar von mike451). Das aber zeigt ein Problem ganz anderer Art auf: Du bist Dir der Verantwortung gegenüber Crew, Yacht und Umfeld weder bewusst, noch (noch nicht) gewachsen – und Du wirst dieser Verantwortung auch nicht gerecht werden können, wenn Du nur hier recherchierst. Du hast aber auch den wichtigsten Rat von slarti12 nicht angenommen:
Zitat slarti12 : er schreibt viel Vernünftiges, z.B.. Wie auch immer - wenn Du wenig Erfahrung mit Yachten hast, gerade dieser Größe - dann suche Dir nicht unbedingt die größte heraus, - - -
Ein Rat von ihm ist aber grob fahrlässig: Wenn Dir solche Sachen egal sind - hau rein - nimm Dir die SO54, die hat in Deiner Liste definitiv den allermeisten und schicksten Platz - gerade auch die Nasszellen :-)
Und da frage ich mich schon: was hat slarti12 auf 10000 sm gelernt?
Ich plädiere unbedingt dafür: lerne vorerst einmal segeln bzw. das, was man unter „Seemannschaft“ versteht – und natürlich in der Praxis auf dem Boot und in verschiedenen Revieren und unter kompetenter Anleitung und der Möglichkeit, selbst zu agieren, und – und -
Ob da 1000 sm reichen werden??
Deshalb eine dringende Bitte: übernimm nicht mehr diese Verantwortung als Skipper, solange Du diese Fragen nicht selbst (und kompetent) beantworten kannst.