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Ein Segelsommer auf der Adria Beitrag #1 (permalink)
Segelfilmer
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Registriert seit: 18.12.2008
Ort: Hessen
Beiträge: 58
Ein Segelsommer auf der Adria
Diesen Sommer verbrachten wir auf dem 9,30 Meter Segelyacht Cleo im adriatischen Meer.
Insgesamt waren wir über vier Monate im und am Meer unterwegs mit allem, was man sich wünschen kann: nette Menschen, wunderschöne Orte, gigantische Landschaften, herrliches Wetter...
Und auch mit Einigem, was man sich nicht wünscht: Segelschaden, Probleme mit dem Motor und schließlich einem Blitzschlag am Ankerplatz, der unseren Törn vorzeitig beendete.
Hier will ich Euch einen kleinen Vorgeschmack geben: zwei Kapitel herausgegriffen aus diesem Bericht:
Die Korallenschleiferinsel Zlarin
Unter anfangs kräftigem Segelwind strebt Cleo von Jezero auf Murter in Richtung Žirje, wo wir in der tief eingeschnittenen Bucht Veli Stupica die Nacht verbringen, bevor wir am nächsten Morgen mit dem Ziel Zlarin weiter ziehen.
Bevor wir einen Fuß an Land setzen können, müssen wir unsere Cleoso sehr stört. Für einen Sprung über dieses Hindernis bleibt jedoch immer ein bißchen Restrisiko. Mit diesem also etwas heruntergebundenen, doch immer noch störenden Dingi lenke ich das Schiff rückwärts an die Kaimauer. Es kommt so wunderbar, genau im rechten Winkel an die Mauer! Ich bin jetzt schon stolz auf mich. Was bin ich doch für ein toller "Anlegehecht". rückwärts an die Hafenmauer steuern und gut verzurren. Am dem Heck unserer Yacht baumelt unser Dingi wie ein Rucksack mit des Wanderers Proviant. Nur zu dumm, dass dieses Dingi etwas stört, wenn wir das Schiff über das Heck verlassen wollen. Deshalb binde ich es kurz vor dem Anlegen ein wenig herunter, so dass es nicht mehr
Kirche von Zlarin
Den letzten Rest Zwischenraum zur Mauer kann ich jedoch in meiner leicht gebückten Haltung - eine Hand am Gashebel, die andere an der Pinne - nicht abschätzen. Claudia steht hinten auf der Kante bereit mit der Achterleine in der Hand. Sicher sind wir gleich an der Mauer. Also rufe ich:
"Spring!"
Keine Reaktion.
Auch kein Problem. Ich kann noch lauter:
"Spriiiiiiing dooooooch!!!"
Herrgott nochmal, sie springt nicht! Bleibt sie doch einfach stehen und schaut nach unten in das Hafenwasser!
Wo ich do sooo stolz auf meine gefahrenes Rückwärtsmanöver bin. 'Mann o Mann', denke ich. Etwas Zorn kann ich hier zugeben. Ja, so ein bißchen von dem Zeugs steigt in mir hoch.
Jetzt muss ich schleunigst bremsen, sonst krachen wir gegen die Mauer. Das Schiff kommt zum Stehen. Ich laufe zu Claudia, schaue in den einen "winzigen" Meter von Wasser, was wir jetzt nach dem Aufstoppen noch haben.
"Wieso springst Du nicht?!" herrsche ich Claudia an. Das wird mir nachher noch leidtun, doch jetzt herrsche ich eben an.
"Weiß Du wie weit das ist? - Das ist mehr als ein Meter! Und dann noch das Dingi!" verteidigt sich Claudia.
"Zu kurz, zu kurz. - Das könnte meine Uroma besser!" - weiß ich zu berichten.
Und ich habe so ein schönes, ja würdiges, Manöver gefahren. Was mit unserem recht deutlichen Radeffekt ja nun nicht so selbstverständlich ist.
Erneut versuche ich es mit dem Rückwärtsgang. Und was passiert? - Unser Schiffchen dreht sein Heck einfach nur seitlich weg. Gleich werden wir gegen die Segelyacht krachen, welche nun wirklich nicht so dicht bei uns gestanden hat. Also Vorwärtsgang rein und weg hier. Alles noch mal von Vorne.
Warum auch nicht, die Konoba gegenüber ist gut gefüllt mit Zuschauern, wahrscheinlich ein kompletter Reisebus voll mit Touristen im Rentneralter. Denen ich zu ihrer heutigen Gymnastikstunde verholfen habe: Nacken-Stretching. Ja, soooo lang reckten sie ihre Hälse, um ja nichts zu verpassen. Hafenkino nennt man das im "Seglermund".
Ein Knirschen macht sich zwischen meinen Zähnen und aus meinem Mund bemerkbar. Wahrscheinlich sieht man von mir im Augenblick gar nicht viel mehr als die gefletschten Zähne.
"Warum bist Du nicht gesprungen" zische ich sie zwischen meinen knapp geöffneten Lippen hindurch an. "Die denken noch, wir sind zu blöd zum Anlegen!"
"Ich hab gesagt, dass es mir zu weit ist." Claudia fühlt sich ungerecht behandelt. Zu Recht. Das wiederum weiß mein Urteilsvermögen zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Nun ja, der nächste Anlauf klappt bestens, wir machen fest. Diesmal bin ich einfach näher an die Mauer gefahren, bevor der Motor aufgestoppt wurde. Leider waren alle Gaffer von vorhin nicht mehr in der Konoba.
Caudia im Hafen von Zlarin
In dieser Konoba nehmen wir Platz. Mein überzogenes Verhalten von zuvor tut mir inzwischen sehr leid. Claudia war im Recht: sie entscheidet, wann sie springt. Ich will sie doch schließlich nicht im Wasser sehen oder gar zwischen Bootsheck und Mauer einklemmen und was noch alles passieren könnte. Mit reuigem Gesicht sage ich ihr das nun auch. Ab sofort klemme ich beim achterlichen Anfahren an die Mauer also lieber unser "Rucksack-Dingi" ein. Dem tut's überhaupt nicht weh. Und wenn - es wird sich bestimmt nicht beschweren ... Die "goldene Insel" Zlarin, die wegen ihrer Schönheit oft so genannt wird, ist als Korallenschleiferinsel bekannt geworden. Heute findet man nur noch in großen Tiefen Korallenstöcke, so dass schon seit über 80 Jahren auch hier kaum mehr dieses filigrane Kunsthandwerk ausgeübt wird. Wir hoffen dennoch Victor, den letzten Korallenschleifer in seinem 300 Jahre altem Haus anzutreffen. Aus der Reiseliteratur wissen wir, dass er gut deutsch spricht und sich gerne bei seiner Arbeit zusehen lässt. Sein kleines Korallenmuseum gegenüber seinem Haus wollen wir auch besuchen. Leider ist beides geschlossen. Ein Nachbar erklärt uns per Deutsch/Englisch/Zeichensprache-Mischmasch: "Museum Leut kaputt" wobei er sich mit dem Zeigefinger an der Kehle entlang fährt. Etwas schwer von Begriff fragen wir noch eine weitere Ortsbewohnerin mit ihren Einkaufstaschen (als der gesprächige Nachbar außer Sichtweite ist). Sie erklärt uns, in mäßigem Deutsch, dass sehr viel besser ist als unser kroatisch, dass Victor vor zwei Jahren von einem Einbrecher überwältigt und ermordet wurde. Das schockt uns und tut uns sehr leid. Warum so etwas? Der alte Korallenschleifer hatte nach unserer Information die Siebzig schon weit überschritten.
Zlarin, hinteres Hafenbecken
Und dann musste er offenbar so tragisch enden. Uns bleibt nur ein Blick durch die schmalen Glasfenster der Eingangstür in das Innere des winzigen Museums. Wir entdecken etwas anderes, eine ebenfalls winzige "Galerie" auf der Insel, mit der sich eine amüsante, besondere Geschichte verbindet.
Mit vielen Eindrücken von dieser doch eher kleineren kroatischen Insel verlassen wir am nächsten Morgen den Hafen und steuern in Richtung unseres nächsten Ziels: Trogir.
Wenn Euch interessiert, wie es weitergeht, dann lade ich Euch zum nächsten Kapitel ein: An der Pier von Trogir.
Liebe Grüße - Thomas
23.09.2009, 20:02
Ein Segelsommer auf der Adria Beitrag #2 (permalink)
Segelfilmer
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Wie versprochen hier eine weitere Leseprobe:
Seenothilfe für einen Lappen
Auf unserem Rückweg von Montenegro ziehen wir drei Vagabunden – Claudia, Cleo und meine Person – wieder in die bereits bekannte Bucht neben dem Hafen von Cavtat ein. Die Sonne scheint sowieso und wir fühlen uns begrüßt wie alte Bekannte. Was wir ja gewissermaßen auch sind. Eine leichte Brise weht uns entgegen, was auch unseren alten Scheuerlappen, der zum Trocknen an der Reling hängt, vergnügt hin und herschaukeln lässt.
Ein Windstoß – schwups – der bereits trockene und leicht gewordene Lappen erhebt sich in für ihn unerwartete Höhen, um anschließend beim Nachlassen der Böe in zickzackförmigen Schwebebewegungen wie ein Löschblatt aus einem Schulheft den Wasserspiegel zu erreichen. Dort schwimmt er an der Oberfläche und saugt sich allmählich wieder mit Wasser voll, um so beschwert die Tiefen des Gewässers in der Bucht zu ergründen.
Scheuerlappen happen bekanntlich ein "bewegtes" Leben. Dieser hier ganz besonders: Ritter der Lüfte oder König der Meere?
"Biologisch abbaubar" beruhige ich Claudias Umweltgewissen und füge grinsend hinzu: "Es gibt ja nun leider mal kein LÜB – ‚Lappen über Bord’-Manöver."
Doch das Schicksal dieses Putzutensils sollte noch nicht besiegelt sein. Ein in etwa dreißig Meter Entfernung vorbeischnellendes Schlauchboot mit seiner zweiköpfigen Mann-Frau-Mannschaft hat den Luftikus beobachtet und möchte gerne helfen. Mit einem eng gefahrenen Bogen wühlt das Schlauchboot das Wasser auf und erreicht schnell die Stelle des ‚Ertrinkenden’.
Beide Seenotretter konnten nicht erkennen, worum es sich bei diesem vermeintlich wichtigen Gegenstand handelt. Das erkennen wir an dem verblüfften Gesichtsausdruck des weiblichen Teils der Schlauchbootcrew beim Bergen des Treibgutes. Dass es sich dabei nun nicht um das knapp geschnittene, raffinierte Abendkleid der weiblichen Cleo-Crew handelt überwindet die Retterin schnell. Triumphierend erhebt sie den alten Scheuerlappen über ihr Haupt, schwingt ihn im Kreise, dass die Salzwassertropfen nur so von ihm spritzen und stimmt dabei ein triumphales Kriegsgeheul an. Heroischer und markerschütternder könnte die Schreie auch kein Sioux-Krieger nach gewonnenem Zweikampf hervorbringen. Der männliche Crewteil hinter dem Steuer des Gummigepolsterten Gefährts steuert unser Heck an, während die siegreiche Heldin auf seinem Bug jetzt alle Stämme von Sioux, Apachen, Huronen, Delawaren mit ihrer unzweifelhaft geübten Stimme zu übertönen versucht.
Dieser heldenhafte Einsatz soll nicht ignoriert werden und ich stoppe Cleo auf, um den bereits abgeschriebenen Ausreißer mit ehrenwollen Dankesworten aus den Händen der ruhmreichen Kriegerin vom Stamme der Gummibootindianer entgegenzunehmen. Als indianische Anerkennung der gewaltigen Leistung des uns so freundlich gesonnenen Schlauchboot-Stammes halte ich das graue Heiligtum nun auch noch einmal anerkennend in die Höhe und antworte der Kriegerin mit einem kurzen lobenden Kriegsschrei, wonach sich unsere beiden Stämme, die der Gummibootindianer und der Segelirokesen in weiter gefestigtem Frieden wieder trennen.